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Anfangsunterricht

Unterricht

Anfangsunterricht: Individualisierung der Lernprozesse

Die Zielsetzung der Schuleingangsphase, alle schulpflichtigen Kinder eines Jahrgangs in die Grundschule aufzunehmen, sie dem Grad ihrer Schulfähigkeit entsprechend zu fördern und Schulfähigkeit demnach auch als Entwicklungsaufgabe der Grundschule zu verstehen, führt zu einer Steigerung der ohnehin schon großen Heterogenität der Schülerschaft im Anfangsunterricht. So lernen Schüler und Schülerinnen mit günstigen Lern- und Entwicklungsvoraussetzungen und besonderen Begabungen gemeinsam mit Schülern und Schülerinnen, deren Schulfähigkeit noch nicht ausreichend ausgeprägt ist. Daraus resultiert für uns natürlich die notwendige Konsequenz, die in unserer Schule bereits bewährten Formen der Individualisierung und Differenzierung, zum Beispiel durch das Praktizieren offener Unterrichtsformen, so wie Tages- und Wochenplanarbeit, Freiarbeit oder das Lernen an Stationen verstärkt auch in den Anfangsunterricht mit einzubeziehen. Diese ermöglichen eine kontinuierliche Beobachtung der Lern- und Entwicklungsschritte der Kinder, um gegebenenfalls entsprechende individuelle bzw. gruppenbezogene Förderpläne zu erstellen und im Rahmen von klassenübergreifendem oder jahrgangsübergreifendem Förderunterricht die Kinder möglichst individuell zu fördern.

Ergänzt und unterstützt werden diese eher unterrichtsorganisatorischen Maßnahmen von uns durch fachspezifische Lerntechniken, die eine wirkliche Individualisierung der Lernprozesse und ein selbst gesteuertes Lernen der Schüler und Schülerinnen erst ermöglichen. Das heißt zum Beispiel für den Schriftspracherwerb, dem im Anfangsunterricht eine Schlüsselrolle zukommt, dass wir nicht einem Leselehrgang folgen, in dem alle Kinder mehr oder weniger einer gleichmäßigen Progression unterworfen sind, sondern von dem Prinzip “Lesen durch Schreiben” ausgehend von Anfang an mit einer Anlauttabelle arbeiten.

Durch das Konzept “Lesen durch Schreiben” wird ein offener Anfangsunterricht ermöglicht, der den individuellen Bedürfnissen eines jeden Kindes gerecht wird. Jedes Kind kann sich seinem Entwicklungsstand gemäß und mit seinen besonderen Fähigkeiten einbringen. Die Kinder erlernen mit Hilfe der Anlauttabelle das Schreiben. Regelmäßige Arbeit mit dieser Tabelle ermöglicht den Kindern Laute und Buchstaben einander zuzuordnen. Sie assoziieren das richtige Zeichen zum gehörten Laut. Die Schüler schreiben Texte, die für sie wichtig sind, die ihnen Freude bereiten, mit denen sie etwas mitteilen wollen. Jedes Kind entscheidet selbst, wie lange es mit der Anlauttabelle schreiben möchte. Das Lesenlernen ist ein notwendiges, zwangsläufiges und erwünschtes Nebenprodukt des Schreibens.

Die Kinder beginnen beim Schreiben mit der Anlauttabelle recht bald zu überprüfen, welche Teile eines Wortes sie bereits verschriftet haben und welche noch nicht. Die wiederholte Sinnüberprüfung ist noch keine Sinnentnahme. Die vielen Versuche, die Laute eines Wortes schriftlich zu fixieren, bereiten aber auch den umgekehrten Prozess vor, aus einer Graphemfolge ein Lautgebilde zu erzeugen. Parallel zum Schreiben entwickelt sich eine latente Lesefähigkeit, die dann in einem Entwicklungsprozess zu einem bewusst abrufbaren Lesenkönnen führt. So lernen sie lesen durch schreiben. Wichtige Hinführung zum Lesen ist das Vorlesen.

Auch im Mathematikunterricht der Schuleingangsphase wird den Prinzipien der Individualisierung und Differenzierung entsprochen. Die Kinder sollen befähigt werden, als Akteure ihren Lernweg mit zu gestalten. Dazu ist es unabdingbar, dass die Kinder mit ihren unterschiedlichen Lernvoraussetzungen ernst genommen werden. So ist es nicht länger unsere Hauptaufgabe eine eng geführte Wissensvermittlung voranzutreiben, sondern Lernprozesse im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe anzuregen und zu organisieren. Damit entsprechen wir den Forderungen des Lehrplans. Dort heißt es: “Aufgabe der Lehrerinnen und Lehrer ist es, geeignete Lernsituationen zu schaffen und Lernprozesse anzu- stoßen, um den Kindern zunehmend selbstständiges und eigenverantwortliches Lernen zu ermöglichen und so ihre Begabung und Fähigkeiten bestmöglich zu fördern.” Wir setzen diese Forderungen im Unterricht um, indem wir dem aktiv - entdeckenden Lernen eine zentrale Rolle zuordnen. Den Kindern werden vielfältige Lernmöglichkeiten aufgezeigt und sie entscheiden weitgehend selbst, auf welche Weise sie am besten lernen. Die schon genannten verschiedenen offenen Unterrichtsformen finden auch im Mathematikunterricht ihre Anwendung (Lernen an Stationen, Tagesplan, Wochenplan).